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    Super Saurier

Therizinosaurus cheloniformis

Die längsten Krallen

Doz. Dr. Mathias Harzhauser

Mit seinen extrem langen Krallen verbreitete der Therizinosaurus vor 70 Millionen Jahren weder Angst noch Schrecken. Er war Vegetarier.

Von vielen Dinosauriern kennt man nur wenige Knochen. Daher ist die Rekonstruktion oft schwierig. Beim Krallendino Therizinosaurus war es ähnlich. Als russische Forscher bei Ausgrabungen in der Mongolei im Jahr 1948 seltsam gebogene Knochen von etwa ein Meter Länge fanden, hielten sie diese vorerst für Klauen eines schildkrötenartigen Meeres-Reptils. Dieses Missverständnis führte zum Artnamen  cheloniformis, der „schildkrötenförmig“ bedeutet. Die Wissenschaftler vermuteten, dass die Krallen dazu dienten, Seegras abzureißen, und benannten das Fossil nach dem altgriechischen Wort für Abmähen: „therizo“.

    Therizinosaurus cheloniformis

Bald stellte sich heraus, dass die Fossilien extrem lange Krallen eines Dinosauriers sind, der während der späten Kreidezeit vor etwa 70 Millionen Jahren lebte. Bei späteren Expeditionen fand man noch Teile der Arme, einige Rippen und Knochen der Hinterbeine. Aus diesen Funden lässt sich errechnen, dass Therizinosaurus bis zu zehn Meter Länge erreichte. Sein Gewicht von fünf Tonnen entspricht in etwa dem eines Afrikanischen Elefanten. Schädel und Zähne fehlten aber bei allen Funden. Damit blieb eine wesentliche Frage unbeantwortet: Was fraß der Therizinosaurus?

Überraschungsfund: Reste von Federn und Dino-Eier

Inzwischen wurden auch Verwandte von Therizinosaurus gefunden, die besser erhalten sind. Ihre Schädel sind relativ klein im Vergleich zu den großen Körpern. Der Oberkiefer endet in einer scharfen Kante, die mit einem Hornschnabel bedeckt war, um Blätter und Äste abzurupfen. Die dicht gepackten und gesägten Zähne eigneten sich perfekt zum Zermahlen der Pflanzen. Trotz der furchterregenden Krallen war Therizinosaurus also ein Pflanzenfresser. Die langen Arme und Krallen dienten dazu, Zweige hoch in den Bäumen zu erreichen und zum Maul zu führen. Für diese Lebensweise mussten die Tiere aufrecht stehen und waren nur auf die Hinterbeine gestützt. Um dabei stabil zu stehen, hatte Therizinosaurus eine vierte kräftige Zehe entwickelt. Eine Überraschung brachte ein perfekt erhaltener Fund eines Verwandten von Therizinosaurus, der Reste von Federn aufweist. – Die ungewöhnlichen Dinos waren mit Federn bedeckt! 2011 machte ein japanisch-mongolisches Forscherteam eine weitere spektakuläre Entdeckung in der Wüste Gobi. Während einer Pause fielen einem der Paläontologen seltsame Scherben gleich neben dem Geländewagen auf. Rasch war klar, dass die „Scherben“ Bruchstücke von Dinosaurier-Eiern waren. Als die Wissenschaftler daraufhin die Umgebung untersuchten, stießen sie auf 17 Nester mit insgesamt 75 Eiern. Die etwa 13 Zentimeter großen Eier waren leer, aufgebrochen, und zum Teil fanden sich Schalenfragmente im Inneren. Die Jungtiere waren geschlüpft. Die große Zahl an Gelegen lässt vermuten, dass die erwachsenen Tiere in Gruppen lebten oder sich zumindest zur Eiablage trafen. Wahrscheinlich kümmerten sie sich auch um die Jungtiere. Dass es sich um Eier von Therizinosauriern handeln könnte, vermuteten die Wissenschaftler nur aufgrund von Knochenfunden in der Nähe der Eier. Da keine Embryos gefunden wurden, bleibt es jedoch umstritten, ob die Eier tatsächlich von den Krallendinos stammen.

Vom  Fleischfresser zum Vegetarier

Die Familie der Therizinosaurier gehört zur Großgruppe der Theropoden. Damit sind sie entfernt verwandt mit Fleischfressern wie Tyrannosaurus, aber auch mit den modernen Vögeln. Sie stammen somit auch von Fleischfressern ab und haben sich sekundär an Pflanzenkost angepasst. Nähere Vorfahren der Therizinosaurier treten bereits in der frühen Kreidezeit ab etwa 120 Millionen Jahren auf. Ihre größte Vielfalt und weiteste Verbreitung haben sie während der späten Kreidezeit. Sechs verschiedene Arten sind zu dieser Zeit aus Nordamerika, China und der Mongolei nachgewiesen. Therizinosaurier waren daher wahrscheinlich auf die Bereiche des ehemaligen Nordkontinents Laurasia beschränkt. Obwohl alle Arten beträchtliche Größen erreichten, war Therizinosaurus cheliformis der größte bekannte Vertreter der Therizionosaurier.

Heute wirkt die Wüste Gobi sehr lebensfeindlich. In der Kreidezeit war die Region allerdings dicht besiedelt. Die Ablagerung der Nemegt-Formation, in der die Knochen des Therizinosaurus gefunden wurden, zeugen von ehemaligen Flüssen und Seen, die von Wäldern aus hohen Nadelbäumen gesäumt waren. Das Klima war wesentlich feuchter als heute. Fossile Muscheln, Schnecken, Fische, Schildkröten, Krokodile und verkieselte Holzstämme fanden sich in den Sandsteinen. Berühmt wurden die Ablagerungen aber für die zahlreichen Dinosaurierfossilien. Viele gefiederte Oviraptoren-Arten, Ankylosaurier und Hadrosaurier durchstreiften die Wälder. Titanosaurier wie Nemegtosaurus und Opisthocoelicaudia waren die größten Pflanzenfresser dieses Lebensraumes. Das gefährlichste Raubtier war der bis zu zwölf Meter große Tyrannosaurier Tarbosaurus bataar. Ob auch Therizinosaurus auf seinem Speiseplan stand, ist aber unbekannt.

In der späten Kreidezeit begann sich das Klima in Asien zu ändern. Die Waldlandschaften wurden allmählich durch Wüsten verdrängt. Damit verschwand auch die Nahrungsquelle des Therizinosaurus. Wahrscheinlich starben diese Krallendinos daher schon vor dem Ende der Kreidezeit aus.

Tyrannosaurus rex

Die längsten Zähne

Doz. Dr. Mathias Harzhauser

Tyrannosaurus gilt als eine der größten Tötungsmaschinen, die je die Erde beherrschten. Fossile Reste von T-rex, wie er auch genannt wird, wurden bisher nur im westlichen Nordamerika gefunden. Über 50 Individuen wurden bisher beschrieben, darunter einige nahezu vollständigen Skelette. Daher ist T-rex ein besonders bekannter Dinosaurier. Seine Darstellung in den Medien hat das Bild vom fleischfressenden Dinosaurier entscheidend geprägt. Mit mehr als zwölf Metern Länge, fünf Metern Höhe und über sieben Tonnen Gewicht wirkte er wahrlich furchteinflößend. Sein Körpergewicht begrenzte aber seine Sprintgeschwindigkeit, die wohl nur 15 bis 20 km/h betrug und höchstens kurzfristig auf 40 km/h gesteigert werden konnte.

    Slider Tyrannosaurus rex

Die stärkste Beißkraft aller Zeiten

Der bis zu 1,5 Meter lange Schädel von T-rex war massiv und saß auf einem kurzen S-förmigen Nacken. Große Öffnungen reduzierten das Gewicht des Schädels und dienten als Ansatzstellen für Muskeln. Zugleich wurde das Gewicht des Vorderkörpers und des Schädels mit einem langen Schwanz ausbalanciert. Seine Zähne waren nach hinten gebogen, durch Grate verstärkt und entlang der Kanten gezackt wie Sägeblätter – perfekt zum Zerreißen von Fleisch und zum Zerbrechen von Knochen. Der längste bekannt T-rex-Zahn erreicht mit Wurzel 30,5 Zentimeter und ist damit der größte Zahn eines fleischfressenden Dinosauriers. Im Vergleich dazu erreichte der längste Eckzahn einer Säbelzahnkatze „nur“ 28 Zentimeter. Zwei Drittel jedes Zahnes waren im gewaltigen Kiefer verankert. Damit erreichte T-rex unter allen fleischfressenden Dinosauriern die stärkste Beißkraft. Mit einem einzigen Biss konnte er 250 Kilogramm Fleisch aus seiner Beute reißen! 

Ein besonderes Merkmal des Riesen sind seine sehr kurzen Vorderarme. Sie waren nicht länger als die eines erwachsenen Menschen. Ihre Funktion ist noch immer umstritten. Vielleicht dienten sie dem Aufschneiden von Beutetieren oder halfen dem T-rex beim Aufrichten aus der Bauchlage. Anhand der Hinterbeine kann man sogar das Geschlecht der Tiere bestimmen. Wie bei heutigen Laufvögeln bildeten nur Weibchen in den Knochenmarkhöhlen so genanntes Röhrenknochenmark. Diese Struktur zeichnet sich durch eine besonders hohe Zahl an Blutgefäßen aus und diente als Kalziumquelle bei der Herstellung der kalkigen Ei-Schalen.

Aktiver Jäger oder Kadaverfresser?

Man vermutet, dass Tyrannosaurus den großen Herden der Entenschnabelsaurier und Hornsaurier nachstellte, die die Flusslandschaften Nordamerikas in der späten Kreidezeit bevölkerten. Bissspuren an Knochen eines Triceratops und mehreren Entenschnabelsaurier beweisen eindeutig, dass diese auf der Speisekarte von Tyrannosaurus standen. In bis zu 50 Zentimeter großen Kothaufen von Tyrannosaurus wurden zersplitterte Knochen von Triceratops gefunden. Bisse lassen sich sogar an Schädelskeletten von Artgenossen nachweisen. Es handelt sich aber wahrscheinlich um die Spuren von Revierkämpfen und nicht um Kannibalismus. Ob er ein aktiver Jäger war oder nur die verwesenden Kadaver fraß, lässt sich nach den Spuren nicht entscheiden. Auch ein berühmter Fund aus Montana (USA), bei dem fünf nebeneinanderliegende T-rex-Skelette gefunden wurden, kann diese Frage nicht beantworten. Zwar deutet er darauf hin, dass die gewaltigen Fleischfresser in Rudeln lebten, aber derartige Sozialstrukturen sind sowohl bei modernen Raubtieren als auch bei heutigen Aasfressern bekannt.

T-rex besaß ein relativ großes Gehirn und Schädelausgüsse zeigen, dass sein Geruchszentrum sehr gut entwickelt war. Auch moderne Aasfresser haben einen sehr leistungsfähigen Geruchssinn, um verwesende Kadaver über weite Distanzen ausfindig machen zu können. Genauso ist ein gutes Riechvermögen aber auch für Jäger von Vorteil. Ein Hinweis auf einen aktiven Räuber könnte der schmale Gesichtsschädel sein, der dreidimensionales Sehen und räumliche Wahrnehmung erlaubt und es Raubtieren ermöglicht, Entfernungen besonders gut abzuschätzen.

Gefiederte Tyrannenechsen

Unsere Vorstellung von Tyrannosaurus rex hat sich seit seiner Erstbeschreibung durch den amerikanischen Paläontologen Henry Fairfield im Jahr 1905 dramatisch verändert. Während frühe Rekonstruktionen an ein Känguru erinnern, bei dem der Schwanz am Boden aufliegt, wechselte die Darstellung erst in den 1990erJahren zu einer dynamischen Körperhaltung, bei der Kopf, Körper und Schwanz nahezu parallel zum Boden orientiert sind. Der zweite Schock folgte, als 2004 Dilong paradoxus gefunden wurde. Der kleine Dinosaurier aus 126 Millionen Jahre alten Ablagerungen in China hatte Federn. Was im ersten Moment nicht ungewöhnlich klingt – zu diesem Zeitpunkt kannte man bereits viele gefiederte Dinos – hatte Sprengkraft. Dilong war ein sehr früher Tyrannosaurier. Es ist daher anzunehmen, dass seine Nachfahren, wie Tyrannosaurus rex, ebenfalls gefiedert waren. Diese Theorie wurde 2012 noch gestärkt, als mit Yutyrannus huali ein weiterer Tyrannosaurier mit Federn auftauchte. Wem der Gedanke an T-rex als mörderisches Riesenhuhn missfällt, kann sich damit trösten, dass vom „König der Saurier“ noch keine fossilen Federn nachgewiesen wurden. Die Tyrannenechsen waren die größten landbewohnenden Fleischfresser aller Zeiten. Wie alle anderen Nichtvogel-Dinosaurier starben sie am Ende der Kreidezeit vor 66 Millionen Jahren aus.

Ankylosaurus magniventris

Der „härteste“ Saurier

Dozent Dr. Matthias Harzhauser

Wie ein Panzer auf vier Beinen sah Ankylosaurus aus. Nacken, Rücken und Hüften waren durch ein Korsett aus Knochenplatten, Höckern und kleinen Stacheln geschützt. Sein Schädel erinnert an einen Helm, denn die Oberseite war durchgehend durch zusammengewachsene Knochenplatten abgedeckt, die bis zu den Augen reichten. Zwei etwas längere Platten formten dreieckige, nach hinten ragende Hörner am Hinterhaupt und zwei ähnliche Platten bedeckten die Wangen. Selbst an der Schädelspitze trug er einen harten Schnabel. Der Vergleich mit einem Panzer passt auch hinsichtlich seiner Größe. Mit bis zu neun Metern Länge war er nur wenig kleiner als der „Leopard 2“, der größte Panzer des österreichischen Bundesheeres.

Die extreme Panzerung brachte dem Dino auch seinen Namen: Ankylos kommt aus dem Altgriechischen und bedeutet „gebogen“. Ankylosaurus heißt somit „gebeugte Echse“. Der Artname magniventris ist ebenfalls wenig schmeichelhaft und bedeutet „mit großem Bauch“.

    Slider Ankylosaurus

Tagesbeschäftigung: Vielfraß

Die blattförmigen Zähne des Ankylosaurus hatten leicht gezackte Ränder und eigneten sich gut, um Pflanzen abzurupfen.Es fehlten aber Zähne, um die Nahrung auch zu zerreiben und vor dem Schlucken zu zerkleinern. Trotz des robusten, panzerartigen Aussehens war der Körperschwerpunkt des Ankylosaurus zu niedrig, um Bäume einfach umzustoßen. Da er sich sicher auch nicht aufrichten konnte, war er auf Bodenpflanzen wie Farne und niedere Büsche spezialisiert. Bis zu 60 Kilogramm Nahrung musste ein Ankylosaurus täglich verspeisen und war damit wahrscheinlich den Großteil des Tages beschäftigt. Daher vermuten einige Wissenschaftler, dass der ungewöhnlich breite Rumpf, der ihm seinen Artnamen einbrachte, dazu diente, ein komplexes Verdauungssystem unterzubringen, in dem die Nahrung in mehreren Stufen aufbereitet wurde. 

Knochenkeule mit Superwirkung 

Sehr intelligent waren die Ankylosaurier wahrscheinlich nicht, wie ihr kleines Gehirn vermuten lässt. An ihren Lebensraum waren sie aber perfekt angepasst und für Fleischfresser eine nur schwer zu knackende Beute. Schon allein die gewaltige Größe des rund 3,5 Tonnen schweren Ankylosaurus schreckte sicher viele Feinde ab. Obwohl harmloser Pflanzenfresser, war mit dem Dino-Panzer nicht zu spaßen. Denn die Tiere verließen sich nicht nur auf ihr passives Verteidigungssystem in Form der Panzerung. Am Schwanz drohte eine mächtige Knochenkeule, die durch kräftige Sehnen mit den Schwanzwirbeln verbunden war und sehr flexibel geschwenkt werden konnte. Sie dürfte wohl als Waffe gegen Angreifer eingesetzt worden sein. In Computermodellen reichte ein Hieb mit der Keule eines erwachsenen Ankylosaurus aus, um die Beinknochen von großen Raubdinosauriern wie T-rex zu zerschmettern. Eventuell wurde die Keule auch im Kampf zwischen Artgenossen verwendet. Anscheinend vermieden die gepanzerten Dinosaurier aber lieber den Kontakt mit potenziellen Fressfeinden. Bei einem Verwandten des Ankylosaurus fanden sich an der Oberfläche der Knochenplatten chemische Verbindungen, die Reste von ehemals roten Farbpigmenten sind. In anderen Bereichen fehlten die Pigmente und der Dino war wahrscheinlich heller gefärbt. Gemeinsam ergibt sich daraus ein Tarnmuster, das die Tiere zusätzlich vor Feinden schützte.

Panzerung als Erfolgsrezept der Evolution 

Ankylosaurus magniventris erschien erst zwei Millionen Jahre vor dem Aussterben aller Nichtvogel-Dinosaurier und war einer der letzten großen Dinosaurier. Die ersten Verwandten des Ankylosaurus tauchten aber schon vor 157 Millionen Jahren im Jura auf. Die gepanzerte Lebensweise war somit für mehr als 90 Millionen Jahre ein Erfolgsrezept. Die Strategie war jedoch erdgeschichtlich nicht neu. Schon vor 400 Millionen Jahren, lange bevor die ersten Wirbeltiere das Land eroberten, setzten die Panzerfische oder Placodermi auf den Schutz durch eine starre Rüstung aus Knochenplatten. Bei einigen Placodermi steckten sogar die Flossen in einem dicken Panzer. Sie wurden bald von wendigeren Urfischen verdrängt, zu denen auch unsere Vorfahren gehören. Auch innerhalb der Reptilien waren die Ankylosaurier nicht die ersten „Panzer“, denn Schildkröten begannen schon vor 220 Millionen Jahren ihre Körper effektiv durch eine knöcherne Hülle zu schützen. Völlig unabhängig dazu entwickelten gleichzeitig die im Meer lebenden Pflasterzahnsaurier Panzer aus Knochenplatten. Im Gegensatz zu den Schildkröten verschwanden sie aber noch im frühen Erdmittelalter wieder.

Auch Säugetiere setzten mehrfach unabhängig auf Panzerungen: In Asien und Afrika formen Schuppentiere aus dreieckigen Hautplatten einen flexiblen Körperschutz, der an einen Tannenzapfen erinnert. Horn- und Knochenplatten bilden die schützende Hülle der mehrheitlich südamerikanischen Gürteltiere. Entfernte Verwandte der heutigen Gürteltiere waren die eiszeitlichen Glyptodonten oder Riesengürteltiere. Sie lebten in Süd- und Zentralamerika und waren perfekte Pendants zu den Ankylosauriern. Wie bei den Dinos waren Körper und Kopf durch verwachsene Knochenplatten bedeckt. Der Schwanz war wie bei einer Ritterrüstung durch einzelne Knochenringe geschützt und blieb dadurch beweglich. Das war auch nötig, denn bei einer Riesengürteltierart saß am Schwanz sogar eine Keule wie beim Ankylosaurus. Sie war bedrohlich gezackt und erinnert an den Morgenstern eines mittelalterlichen Ritters. Während die Ankylosaurier vor 66 Millionen Jahren durch einen Asteroideneinschlag ausgelöscht wurden, starben die geologisch viel jüngeren Riesenfaultiere erst vor 12.000 Jahren aus. Neben der Änderung des Klimas und damit der Umwelt am Ende der letzten Eiszeit dürfte auch die Bejagung durch Menschen den Riesengürteltieren zum Verhängnis geworden sein.

Doz. Dr. Mathias Harzhauser

 

Doz. Dr. Mathias Harzhauser ist Direktor der Geologisch-Paläontologischen Abteilung am Naturhistorischen Museum in Wien.

Seine Forschungsschwerpunkte sind die Rekonstruktion fossiler Ökosysteme und die Paläogeographie Eurasiens in der Erdneuzeit

Arambourgiania philadelphiae

Der größte Flugsaurier

Doz. Dr. Mathias Harzhauser

Flugsaurier oder Pterosaurier waren die ersten Wirbeltiere, die sich perfekt an das Leben in der Luft angepasst hatten. Sie sind keine echten Dinosaurier, sondern stammen wie diese von frühen Archosauriern ab. Die ersten Flugsaurier treten in der späten Trias vor rund 228 Millionen Jahren auf, ihre letzten Vertreter vor 66 Millionen Jahren an der Grenze von Kreide zu Tertiär. Pterosaurier waren bereits 60 Millionen Jahre vor den Vögeln hervorragende Flieger und weltweit verbreitet. Ihre Fossilien wurden daher mit Ausnahme der Antarktis überall auf der Welt gefunden.

Die Flughaut wurde über den stark verlängerten vierten Finger aufgespannt und war auf der Höhe des Oberschenkels am Körper befestigt. So entstanden weite Schwingen, mit denen die Flugsaurier aufsteigende Luftströmungen nutzen und im Gleitflug weite Strecken zurücklegen konnten. Einige Pterosaurier waren auch gute aktive Flieger und könnten sogar wie moderne Zugvögel jahreszeitliche Wanderungen zwischen den Kontinenten unternommen haben.

    3 Euro Münze Arambourgiania

Die ältesten und ursprünglichsten Formen, die Rhamphorhynchoidea, sind an den langen, knöchernen Schwänzen erkennbar – eine Erbschaft ihrer Archosaurier-Vorfahren. Sie lebten vorwiegend in Küstennähe und erbeuteten Fische und Tintenfische. Im späten Jura wurden sie allmählich von den moderneren Pterodactyloidea oder Kurzschwanzflugsauriern verdrängt. Pterodactyloidea hatten einen kürzeren Schwanz, aber einen längeren Hals und einen längeren Kopf. Sie waren die größten fliegenden Lebewesen, die jemals existiert haben. Einige Arten besiedelten auch weit von der Küste entfernte Lebensräume. Ihre vielfältigen Schädel- und Kieferformen zeigen, dass sie sehr unterschiedliche Fressgewohnheiten hatten. Bei den modernsten Gruppen waren die Zähne reduziert und die Kiefer erinnern an einen Pelikan-Schnabel.  Eine Gruppe entwickelte sogar ein Reusengebiss, mit dem sie wie Flamingos nach Kleinlebewesen fischte. Viele Kurzschwanzflugsaurier hatten auffällige und vielgestaltige Knochenkämme am Hinterkopf. In extremen Fällen konnte dieser Kopfschmuck länger als der Körper des Flugsauriers sein. Die Funktion dieser Kämme ist umstritten. In Computersimulationen erwiesen sich die Kämme für die Flugfähigkeit weder als besonders förderlich noch als sonderlich hinderlich. Wahrscheinlich dienten sie der Kommunikation und Erkennung zwischen Artgenossen.

Arambourgiania philadelphiae

Die größten Flugsaurier finden sich in der Familie der Azhdarchiden. Hinter diesem unaussprechlichen Namen verbirgt sich das persische Wort „Aždahā“, das „Drache“ bedeutet. Die größten Arten erreichten Flügelspannweiten von 10 bis zu 13 Metern bei einer Körperlänge von etwa 80 cm. Ihre Hälse waren stark verlängert und trugen lange, große Schädel mit speerartigen Kiefern. Am Boden stehend, reichten sie mit Ihren langen Hälsen bis zu 5 Meter in der Höhe.

Der größte Vertreter der Azhdarchiden ist Arambourgiania philadelphiae, dokumentiert durch bis zu 80 Zentimeter lange Halswirbel und einige wenige andere Wirbelfragmente. Die Größe dieser Tiere kann daher nur anhand des Vergleichs mit besser bekannten und vollständigeren Skeletten von verwandten Arten errechnet werden. Aufgrund dieser Vergleiche dürfte allein der Hals von Arambourgiania drei Meter Länge erreicht haben.

Die fossilen Knochen des Flugsauriers wurden in den 1940er Jahren beim Bahnbau in Jordanien gefunden und später vom französischen Paläontologen Camille Arambourg untersucht. Er erkannte, dass es sich um eine neue Sauriergattung handelte, verwendete aber in seiner Publikation leider einen Namen, der schon für ein Insekt vergeben war. Da nicht zwei verschiedene Tiere den gleichen wissenschaftlichen Namen haben dürfen, musste der Name ersetzt werden, und der Flugsaurier erhielt den etwas umständlichen Namen Arambourgiania zu Ehren seines Erstbeschreibers. Erst 2016 wurde ein weiterer Halswirbel eines großen Flugsauriers aus Tennessee in Nordamerika entdeckt, der vielleicht ebenfalls zu Arambourgiania gehört. Sollte diese Bestimmung korrekt sein, würde das darauf hindeuten, dass Arambourgiania auch den noch jungen Nord-Atlantik überfliegen konnte. Doch wie konnte so ein Riese überhaupt fliegen? Obwohl die Tiere bis zu 200 Kilogramm schwer waren, konnten sie aktiv losfliegen. Dazu nutzten sie beim Losstarten ihre starken Flugmuskeln, um sich in die Luft zu erheben. Nach einer kurzen Phase aktiven Flügelschlags gingen sie in einen Segelflug über, bei dem sie Aufwinde nutzten. Dabei dürften sie Geschwindigkeiten von bis zu 100 km/h erreicht haben und waren damit etwas langsamer als ein moderner Albatros.

Kurioserweise waren die größten Flugsaurier aber vielleicht gar keine passionierten Flieger. Wahrscheinlich lebten sie, wie Störche und Marabus, überwiegend am Boden. Fossile Spuren von Azhdarchiden-Flugsauriern aus Korea belegen, dass sich die großen Tiere wie moderne Schreitvögel gut am Boden fortbewegen konnten. In kleinen Gruppen dürften sie in Flusslandschaften und offenen Wäldern kleinere Dinosaurier und andere Reptilien gejagt haben. Dabei gingen sie auf ihre eingeklappten Flügel gestützt und hatten mit ihren hoch aufragenden Hälsen perfekten Überblick über Beute und potentielle Feinde. Aus der Entfernung hätten sie wie eine bizarre Kreuzung aus Marabu und Giraffe gewirkt. Auffälliger Weise sind mittelgroße Raubsaurier zu der Zeit, als die Azhdarchiden ihre größten Formen entwickelten, relativ selten. Die Flugsaurier könnten daher einfach deren ökologische Nische übernommen haben. Auch auf den Inseln des Tethys-Ozeans, wo große Raubsaurier fehlten, übernahmen die Azhdarchiden die Spitze der Nahrungskette.

 

Steckbrief von Arambourgiania philadelphiae

Systematik: Pterodactyloidea, Azhdarchidae

Flügelspannweite: 13 Meter

Gewicht: 200 Kilogramm

Ernährung: Fleischfresser

Alter: späte Kreidezeit, 72-66 Millionen Jahre

Fundort: Ruseifa, Jordanien

Wussten Sie, dass… Flugsaurier nicht die ersten Lebewesen waren, die den Luftraum eroberten? 

Schon vor 310 Millionen Jahren begannen Urlibellen mit bis zu 80 Zentimeter Flügelspannweite, in den Steinkohlenwäldern des Karbons zu fliegen. Vor 255 Millionen Jahren folgten im Perm mit Coelurosauravus auch die Reptilien in die Luft. Das kleine, eidechsenähnliche Tier war aber nur zum Gleitflug mittels aufgespannter Hautlappen fähig. Neben den Insekten waren die Vögel die erfolgreichsten Flieger der Erdgeschichte. Ihre Evolution begann vor 150 Millionen Jahren im Schatten der schon weit verbreiteten Flugsaurier.  Da Vögel als Zweig der Dinosaurier betrachtet werden, sind die Dinosaurier somit noch heute mit über 10.000 Arten weltweit vertreten. Zuletzt „erfanden“ auch die Säugetiere, unabhängig von allen anderen Tiergruppen, den aktiven Flug. Mehr als 170 Millionen Jahre nach den ersten Flugsauriern begann im frühen Eozän die Erfolgsgeschichte der Fledermäuse. Mit „nur“ 1100 Arten sind sie aber wesentlich weniger divers als unsere modernen Dinos.

Doz. Dr. Mathias Harzhauser

 

Doz. Dr. Mathias Harzhauser ist Direktor der Geologisch-Paläontologischen Abteilung am Naturhistorischen Museum in Wien.

Seine Forschungsschwerpunkte sind die Rekonstruktion fossiler Ökosysteme und die Paläogeographie Eurasiens in der Erdneuzeit

Mosasaurus hoffmanni

Der größte Meeressaurier

Doz. Dr. Mathias Harzhauser

Mosasaurier sind eine ausgestorbene Reptiliengruppe, die von an Land lebenden Waranen abstammt. Sie entstanden relativ spät im Erdmittelalter während der Kreidezeit und starben vor 66 Millionen Jahren ohne Nachfahren aus. Sie waren weltweit verbreitet und entwickelten fast 40 verschiedene Gattungen mit vielen Arten.

Der größte bekannte Mosasaurier war Mosasaurus hoffmanni, der eine Körperlänge von bis zu 17 Metern erreichte. Damit übertraf er einen moderneren Pottwal um 5 Meter. Die ersten Schädelreste dieses Meeresreptils wurden 1764 im holländischen Maastricht gefunden. Zwar wusste man damals noch nicht, worum es sich dabei handeln könnte, doch das geheimnisvolle Objekt wurde so bekannt, dass es 1794 von Truppen des französischen Revolutionsheeres geraubt und nach Paris verschleppt wurde. Die Bedeutung des Fundes zeigt auch die für den Raub ausgesetzte Belohnung von „600 Flaschen vorzüglichen Weins“. Im Laufe der Jahre wurde der Schädel als Reste eines großen Fisches, eines Wals und eines Krokodils interpretiert. Erst der berühmte Anatom Georges Cuvier bemerkte die Ähnlichkeit mit modernen Waranen und 1822 erhielt das Fossil schließlich seinen Gattungsnamen, der sich vom lateinischen Wort „Mosa“ für den Fluss Meuse ableitet.

    Super Saurier - Mosasaurus

Nicht alle Mosasaurier waren Riesen. Die kleinsten Vertreter erreichten gerade einmal einen Meter Länge. Ihr Körperbau lässt noch die Verwandtschaft mit Waranen erahnen. Der Kopf ist relativ groß, zugespitzt und kaum vom Körper angesetzt. Die Kiefer waren mit einer Reihe spitzer Zähne bewährt und hatten wie Schlangen ein Doppelgelenk. Dieses Gelenk und die flexibel verbundenen Schädelknochen erlaubten den Tieren auch sehr große Beute hinunter zu würgen. Der Körper war stromlinienförmig verlängert und endete in einem langen Schwanz mit großer Schwanzflosse. Wie bei den Ichthyosauriern war das Wirbelsäule am Schwanz nach unten gebogen und stütze die Schwanzflosse. Arm- und Beinknochen waren stark verkürzt während zahlreiche Finger und Zehenknochen lange Paddeln bildeten. Der kräftige Schwanz dient wahrscheinlich auch als Hauptantrieb beim Schwimmen. So waren die Tiere perfekt an das Leben im Meer angepasst. Als Reptilien mussten sie aber zum Atmen an die Wasseroberfläche.

Da Mosasaurier Fossilien nicht selten sind, wurden bei einigen wenigen Skeletten sogar Abdrücke der Haut entdeckt. Sie zeigen, dass die Tiere mit kleinen Schuppen, wie jenen von Schlangen, bedeckt waren. Teilweise waren die Schuppen gekielt, was wie bei den Hautplatten von Haien den Wasserwiderstand beim schnellen Schwimmen reduziert haben könnte. In einigen wenigen der fossilen Hautschuppen konnten sogar noch Farbpigmente nachgewiesen werden. Sie zeigen, dass die Mosasaurier, ähnlich wie der Weiße Hai, eine dunkle Oberseite und eine helle Unterseite hatten. Diese Farbgebung ist nicht untypisch bei Meerestieren, da sie den Körper gut tarnt. Von oben wird das Tier gegen die Dunkelheit der Tiefe fast unsichtbar, während der helle Bauch von unten betrachtet mit dem hellen Hintergrund der Wasseroberfläche verschwimmt. Diese Tarnung war sicher von Vorteil, wenn die Mosasaurier im seichten Wasser Jagd auf Tintenfische und Fische machten. Fossile Mageninhalte beinhalten aber auch Knochen von anderen Mosasauriern, von Schildkröten, Seevögeln und Flugsauriern. Sogar Zähne von Haien wurden gefunden. Mosasaurier waren also nicht sehr wählerisch was ihre Beute betraf und schreckten selbst vor Kannibalismus nicht zurück. Häufige Kieferverletzungen sind auf ihre aggressive Lebensweise, aber auch auf Kämpfe mit Artgenossen zurückzuführen. Die Augen waren dabei durch einen Ring aus Knochenplatten geschützt.

Super Saurier - Mosasaurus

Ihren großen Erfolg verdankten die Mosasaurier wahrscheinlich dem Verschwinden ihrer Konkurrenz. Vor etwa 90 Millionen Jahren starben aus bisher ungeklärten Gründen die Fischsaurier oder Ichthyosaurier aus. Zur gleichen Zeit verschwanden die Pliosaurier, deren Kopf anders als bei Mosasauriern vom Körper durch einen kurzen Hals abgesetzt war. Ichthyosaurier und Pliosaurier waren lange die vorherrschenden Meeresreptilien. Ihre ökologische Nische als Topräuber in der Nahrungskette der Meere besetzten nun die Mosasaurier. Diese Position teilten sie sich wahrscheinlich mit den ebenfalls bis zu 15 Meter langen Plesiosauriern. Diese Meeresreptilien unterschieden sich von den Mosasauriern durch den kleinen Kopf, der an einem stark verlängerten Hals saß. Diese sehr unterschiedlichen Körperformen lassen auf deutlich verschiedene Lebensweisen schließen. Mosasaurier und Plesiosaurier waren daher wahrscheinlich keine direkten Nahrungskonkurrenten. Zusätzlich profitierten die Mosasaurier vom hohen Meeresspiegel der späten Kreidezeit. Die Meere drangen weit auf die Kontinente vor und weite Flachmeere entstanden. Eines der bekanntesten dieser kreidezeitlichen Meere war der „Western Interior Seaway“ der sich mit bis zu 1000 km Breite von der Arktis im Norden bis in den Golf von Mexiko im Süden durch ganz Nordamerika erstreckte. Dieses seichte, warme und Nährstoff reiche Meer war Lebensraum vieler Meeresreptilien. Einige der spektakulärsten Mosasaurier Fossilien stammen daher aus dieser Region.

Auch in der Wissenschaftsgeschichte nimmt Mosasaurus hoffmanni einen herausragende Stellung ein. Er war das erste Reptil, bei dem von den Wissenschaftlern weitgehend akzeptiert wurde, dass es eine nicht mehr existierende Art aus einer noch wenig verstandenen Vorwelt war. Eine revolutionäre Idee war geboren!

 

Steckbrief

Systematik: Squamata, Mosasauridae

Länge: 17 Meter

Gewicht: 14 Tonnen

Ernährung: Fleischfresser

Alter: späte Kreidezeit

Fundort: Maastricht, Holland

Wussten Sie, dass… nicht alle Reptilien Eier legen?

Bereits vor über 300 Millionen Jahren „erfanden“ Reptilien Eier mit harter Hülle, in denen die Embryos mit Nährstoffen versorgt waren und vor dem Austrocknen geschützt blieben. Diese perfekte Anpassung an das Landleben wurde Millionen Jahre später für Reptilien zum Problem, die sich wieder ins Meer vorwagten. Heutige Meeresschildkröten müssen zur Eiablage an Land und vergraben ihre Eier im Sand am Strand. Für die großen Mosasaurier, Ichthyosaurier und Plesiosaurier war das nicht mehr möglich. Wie gestrandete Wale wären ihre Körper ohne den Auftrieb des Wassers wahrscheinlich an Land nicht ausreichend gestützt gewesen und ihre Lungen wären kollabiert. Auch waren die zu Flossen umgebildeten Beine der Mosasaurier und Ichthyosaurier nicht mehr für einen Landgang geeignet. Alle diese Meeresreptilien lösten das Problem indem sie lebende Jungen zur Welt brachten. Dies belegen spektakuläre Fossilfunde von Embryonen in fossilen Mosasaurier- und Ichthyosaurier-Skeletten.

Spinosaurus aegyptiacus

Der größte Fleischfresser aller Zeiten

Doz. Dr. Mathias Harzhauser

Einer der ungewöhnlichsten Dinosaurier ist zugleich der größte derzeit bekannte Fleischfresser – größer als TyrannosaurusSpinosaurus aegyptiacus ist der Star der Kinderzimmer. Erste Knochen des Riesen wurden bereits 1912 in Ägypten entdeckt, nach München transportiert und 1915 vom deutschen Paläontologen Ernst Stromer von Reichenbach sehr ausführlich wissenschaftlich beschrieben. Obwohl Stromer nur Skelettteile eines nicht ganz ausgewachsenen Tieres beschrieb, zeigten seine Untersuchungen bereits, dass es sich um ein ungewöhnlich großes Tier handeln musste, das sich wesentlich von allen anderen bekannten Dinosauriern unterschied. Da die Fossilien durch einen Bombenangriff der Alliierten im Zweiten Weltkriegs verloren gingen und amerikanische sowie asiatische Dinosaurier in Mode waren, geriet der afrikanische Spinosaurus wieder in Vergessenheit.

Erst neue Funde in den 2000er Jahren ließen das Interesse wieder aufflammen. Staunend rekonstruierten Wissenschaftler ein gigantisches Lebewesen mit einer Körperlänge von bis zu 18 Metern. Schon der Schädel ist mit bis zu 1,75 Meter Länge größer als bei allen anderen bisher bekannten Dinosauriern. Mit seinen großen konischen Zähnen, dem langgezogenen, relativ schmalen Kiefer und den hoch gelegenen Nasenlöchern erinnert der Schädel stark an ein Krokodil. Zwischen den Augen hatten die Tiere am Schädeldach einen kleinen Knochenkamm. Seine Vorderarme waren kräftig, dürften aber kaum zum Laufen verwendet worden sein.  Spinosaurus war im Wesentlichen ein Zweibeiner. Dem stehen kurze Hinterbeine und ein langer Rumpf entgegen, die das Gehen auf den Hinterbeinen sicher erschwerten. Dieser Körperbau dürfte auf eine mehrheitlich aquatische Lebensweise zurückzuführen sein.

    Supersaurier - Spinosaurus

Der Gattungsname Spinosaurus – das lateinische „Spina“ bedeutet Stachel – verweist auf ein weiteres außergewöhnliches Merkmal: Bis zu 1,65 Meter lange Dornfortsätze der Rückenwirbel bildeten eine Reihe aus Dornen, die im Nacken begann und am Schwanzanfang endete. Schon Stromer war von dieser Struktur fasziniert und diskutierte bereits die Möglichkeit, dass es sich um Muskelansätze eines Höckers gehandelt haben könnte. Was im ersten Moment bizarr klingt, ist bei den Säugetieren durchaus mit Gegenbeispielen in Form der langen Dornfortsätze bei Bison, Wisent, Nashorn und Elefant belegt. Sie befinden sich aber immer im Halsbereich und dienten dazu, die Nackenmuskulatur zu unterstützen. Diese Funktion konnten die Dornen von Spinosaurus aufgrund ihrer Position offensichtlich nicht übernehmen. Daher verwarf schon Stromer diese Theorie. Einige Wissenschaftler spekulieren auch, dass die Dornen einen Buckel aus Fettgewebe gestützt haben könnten – ähnlich wie bei einem Kamel. Hier fehlt aber ein modernes Analogon, da gerade Kamele keine verlängerten Wirbelfortsätze unter dem Höcker entwickeln. Viel wahrscheinlicher ist, dass die Dornen mit Haut bespannt waren und ein Segel bildeten. Die Funktion des Segels ist – wie sollte es auch anders sein – bei Fachleuten umstritten. Recht logisch scheint die Idee, dass Spinosaurus das Segel zur Wärmeregulierung nutzte. Halb im Wasser liegend wäre das der Sonne zugewandte Segel bestens zur Wärmeaufnahme geeignet gewesen. Bei Überhitzung hätte verstärkte Blutzirkulation in der Segelmembran für Kühlung gesorgt. Zusätzlich hätte das Segel durch Muster und Farben als Signal für Artgenossen dienen können. Dass das Segel dazu diente, um auf Feinde noch größer und abschreckend zu wirken, wie einige Paläontologen vermuten, ist weniger überzeugend, wenn man bedenkt, dass Spinosaurus ohnehin selbst der größte und gefährlichste Zeitgenosse in seinem Lebensraum war.

Super Saurier - Spinosaurus

Fossilien von Spinosaurus werden besonders in Ägypten und Marokko gefunden. In der späten Kreidezeit war diese Region eine ausgedehnte Küstenlandschaft mit Gezeitenkanälen, Mangrovenwäldern und üppiger Vegetation.  Hier lebten die Tiere wahrscheinlich ähnlich wie Krokodile zum Teil in Wasser und zum Teil an Land. Der Kiefer des Spinosaurus entspricht dem eines Fischfressers, was auch Fischschuppen im Mageninhalt belegen. Auch geochemische Untersuchungen am Zahnschmelz zeigten, dass Fische ein Hauptbestandteil des Speiseplans waren. Eine weitere Theorie ist, dass Spinosaurus sein Segel und seinen langen flexiblen Schwanz dazu genutzt haben könnte, um Fischschwärme im Wasser zusammen zu treiben. Eine ähnliche Jagdstrategie zeigen auch Fächerfische und Drescherhaie. Um dabei möglichst effektiv zu sein, müssten die Jäger aber in Gruppen kooperiert haben. Ob sich diese Interpretation durchsetzen wird, bleibt abzuwarten. Wie Krokodile hat Spinosaurus sicherlich auch größere Wirbeltiere erlegt, die ihm zu nahe kamen. Sogar Flugsaurier mussten sich in Acht nehmen, wie der Fund eines Zahns zeigt, der noch immer in einem Pterosaurier-Knochen steckt.

Jedenfalls hat Spinosaurus dem Tyrannosaurus in Filmen wie Jurassic Park III und Ice Age 3 den ersten Platz als populärster Bösewicht abgerungen. 

 

Steckbrief von Spinosaurus aegyptiacus

Systematik: Theropoda, Spinosauridae

Länge: 18 Meter

Gewicht: 9 Tonnen

Ernährung: Fleischfresser

Alter: frühe und späte Kreidezeit, 112-94 Millionen Jahre

Fundort: Nordafrika

Wussten Sie, dass… Spinosaurus nicht der einzige Saurier mit Segel war?

So ungewöhnlich das Segel des Spinosaurus auch scheint, einzigartig war es nicht. Schon vor 300 Millionen Jahren hatten frühe Reptilien wie der pflanzenfressende Edaphosaurus lange Rückenstacheln, auf denen ein Hautsegel aufgespannt war. Seine Dornfortsätze waren zusätzlich noch mit Querstreben verstärkt. Auch sein naher Verwandter, der Fleischfresser Dimetrodon, besaß schon vor 290 Millionen Jahren ein hohes Rückensegel. Viele Millionen Jahre später, während der frühen Kreidezeit, trug der 10 Meter lange Sauropode Amargasaurus einen seltsamen Halsschmuck aus einer Reihe gegabelter Dornfortsätze der Halswirbel. Ob die Knochenstrahlen des südamerikanischen Riesen ebenfalls mit einem Hautsegel überspannt waren, ist aber unklar. Sogar zeitgleich mit Spinosaurus lebte in Nordafrika ein anderer Dino, der völlig unabhängig ein Rückensegel entwickelt hatte: der mit dem Iguanodon verwandte, rund 8 Meter lange Pflanzenfresser Ouranosaurus. In allen Fällen vermuten die Wissenschaftler, dass die Segel zur Wärmeregulierung, zur Tarnung oder als Erkennungssignal für Artgenossen dienten.

Doz. Dr. Mathias Harzhauser

Doz. Dr. Mathias Harzhauser ist Direktor der Geologisch-Paläontologischen Abteilung am Naturhistorischen Museum in Wien.

Seine Forschungsschwerpunkte sind die Rekonstruktion fossiler Ökosysteme und die Paläogeographie Eurasiens in der Erdneuzeit.

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