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Super Saurier

Mosasaurus hoffmanni – der größte Meeressaurier aller Zeiten

Doz. Dr. Mathias Harzhauser

Mosasaurier sind eine ausgestorbene Reptiliengruppe, die von an Land lebenden Waranen abstammt. Sie entstanden relativ spät im Erdmittelalter während der Kreidezeit und starben vor 66 Millionen Jahren ohne Nachfahren aus. Sie waren weltweit verbreitet und entwickelten fast 40 verschiedene Gattungen mit vielen Arten.

Der größte bekannte Mosasaurier war Mosasaurus hoffmanni, der eine Körperlänge von bis zu 17 Metern erreichte. Damit übertraf er einen moderneren Pottwal um 5 Meter. Die ersten Schädelreste dieses Meeresreptils wurden 1764 im holländischen Maastricht gefunden. Zwar wusste man damals noch nicht, worum es sich dabei handeln könnte, doch das geheimnisvolle Objekt wurde so bekannt, dass es 1794 von Truppen des französischen Revolutionsheeres geraubt und nach Paris verschleppt wurde. Die Bedeutung des Fundes zeigt auch die für den Raub ausgesetzte Belohnung von „600 Flaschen vorzüglichen Weins“. Im Laufe der Jahre wurde der Schädel als Reste eines großen Fisches, eines Wals und eines Krokodils interpretiert. Erst der berühmte Anatom Georges Cuvier bemerkte die Ähnlichkeit mit modernen Waranen und 1822 erhielt das Fossil schließlich seinen Gattungsnamen, der sich vom lateinischen Wort „Mosa“ für den Fluss Meuse ableitet.

Super Saurier - Mosasaurus

Nicht alle Mosasaurier waren Riesen. Die kleinsten Vertreter erreichten gerade einmal einen Meter Länge. Ihr Körperbau lässt noch die Verwandtschaft mit Waranen erahnen. Der Kopf ist relativ groß, zugespitzt und kaum vom Körper angesetzt. Die Kiefer waren mit einer Reihe spitzer Zähne bewährt und hatten wie Schlangen ein Doppelgelenk. Dieses Gelenk und die flexibel verbundenen Schädelknochen erlaubten den Tieren auch sehr große Beute hinunter zu würgen. Der Körper war stromlinienförmig verlängert und endete in einem langen Schwanz mit großer Schwanzflosse. Wie bei den Ichthyosauriern war das Wirbelsäule am Schwanz nach unten gebogen und stütze die Schwanzflosse. Arm- und Beinknochen waren stark verkürzt während zahlreiche Finger und Zehenknochen lange Paddeln bildeten. Der kräftige Schwanz dient wahrscheinlich auch als Hauptantrieb beim Schwimmen. So waren die Tiere perfekt an das Leben im Meer angepasst. Als Reptilien mussten sie aber zum Atmen an die Wasseroberfläche.

Da Mosasaurier Fossilien nicht selten sind, wurden bei einigen wenigen Skeletten sogar Abdrücke der Haut entdeckt. Sie zeigen, dass die Tiere mit kleinen Schuppen, wie jenen von Schlangen, bedeckt waren. Teilweise waren die Schuppen gekielt, was wie bei den Hautplatten von Haien den Wasserwiderstand beim schnellen Schwimmen reduziert haben könnte. In einigen wenigen der fossilen Hautschuppen konnten sogar noch Farbpigmente nachgewiesen werden. Sie zeigen, dass die Mosasaurier, ähnlich wie der Weiße Hai, eine dunkle Oberseite und eine helle Unterseite hatten. Diese Farbgebung ist nicht untypisch bei Meerestieren, da sie den Körper gut tarnt. Von oben wird das Tier gegen die Dunkelheit der Tiefe fast unsichtbar, während der helle Bauch von unten betrachtet mit dem hellen Hintergrund der Wasseroberfläche verschwimmt. Diese Tarnung war sicher von Vorteil, wenn die Mosasaurier im seichten Wasser Jagd auf Tintenfische und Fische machten. Fossile Mageninhalte beinhalten aber auch Knochen von anderen Mosasauriern, von Schildkröten, Seevögeln und Flugsauriern. Sogar Zähne von Haien wurden gefunden. Mosasaurier waren also nicht sehr wählerisch was ihre Beute betraf und schreckten selbst vor Kannibalismus nicht zurück. Häufige Kieferverletzungen sind auf ihre aggressive Lebensweise, aber auch auf Kämpfe mit Artgenossen zurückzuführen. Die Augen waren dabei durch einen Ring aus Knochenplatten geschützt.

Super Saurier - Mosasaurus

Ihren großen Erfolg verdankten die Mosasaurier wahrscheinlich dem Verschwinden ihrer Konkurrenz. Vor etwa 90 Millionen Jahren starben aus bisher ungeklärten Gründen die Fischsaurier oder Ichthyosaurier aus. Zur gleichen Zeit verschwanden die Pliosaurier, deren Kopf anders als bei Mosasauriern vom Körper durch einen kurzen Hals abgesetzt war. Ichthyosaurier und Pliosaurier waren lange die vorherrschenden Meeresreptilien. Ihre ökologische Nische als Topräuber in der Nahrungskette der Meere besetzten nun die Mosasaurier. Diese Position teilten sie sich wahrscheinlich mit den ebenfalls bis zu 15 Meter langen Plesiosauriern. Diese Meeresreptilien unterschieden sich von den Mosasauriern durch den kleinen Kopf, der an einem stark verlängerten Hals saß. Diese sehr unterschiedlichen Körperformen lassen auf deutlich verschiedene Lebensweisen schließen. Mosasaurier und Plesiosaurier waren daher wahrscheinlich keine direkten Nahrungskonkurrenten. Zusätzlich profitierten die Mosasaurier vom hohen Meeresspiegel der späten Kreidezeit. Die Meere drangen weit auf die Kontinente vor und weite Flachmeere entstanden. Eines der bekanntesten dieser kreidezeitlichen Meere war der „Western Interior Seaway“ der sich mit bis zu 1000 km Breite von der Arktis im Norden bis in den Golf von Mexiko im Süden durch ganz Nordamerika erstreckte. Dieses seichte, warme und Nährstoff reiche Meer war Lebensraum vieler Meeresreptilien. Einige der spektakulärsten Mosasaurier Fossilien stammen daher aus dieser Region.

Auch in der Wissenschaftsgeschichte nimmt Mosasaurus hoffmanni einen herausragende Stellung ein. Er war das erste Reptil, bei dem von den Wissenschaftlern weitgehend akzeptiert wurde, dass es eine nicht mehr existierende Art aus einer noch wenig verstandenen Vorwelt war. Eine revolutionäre Idee war geboren!

 

Steckbrief

Systematik: Squamata, Mosasauridae

Länge: 17 Meter

Gewicht: 14 Tonnen

Ernährung: Fleischfresser

Alter: späte Kreidezeit

Fundort: Maastricht, Holland

Wussten Sie, dass… nicht alle Reptilien Eier legen?

Bereits vor über 300 Millionen Jahren „erfanden“ Reptilien Eier mit harter Hülle, in denen die Embryos mit Nährstoffen versorgt waren und vor dem Austrocknen geschützt blieben. Diese perfekte Anpassung an das Landleben wurde Millionen Jahre später für Reptilien zum Problem, die sich wieder ins Meer vorwagten. Heutige Meeresschildkröten müssen zur Eiablage an Land und vergraben ihre Eier im Sand am Strand. Für die großen Mosasaurier, Ichthyosaurier und Plesiosaurier war das nicht mehr möglich. Wie gestrandete Wale wären ihre Körper ohne den Auftrieb des Wassers wahrscheinlich an Land nicht ausreichend gestützt gewesen und ihre Lungen wären kollabiert. Auch waren die zu Flossen umgebildeten Beine der Mosasaurier und Ichthyosaurier nicht mehr für einen Landgang geeignet. Alle diese Meeresreptilien lösten das Problem indem sie lebende Jungen zur Welt brachten. Dies belegen spektakuläre Fossilfunde von Embryonen in fossilen Mosasaurier- und Ichthyosaurier-Skeletten.

Spinosaurus aegyptiacus – der größte Fleischfresser aller Zeiten

Doz. Dr. Mathias Harzhauser

Einer der ungewöhnlichsten Dinosaurier ist zugleich der größte derzeit bekannte Fleischfresser – größer als TyrannosaurusSpinosaurus aegyptiacus ist der Star der Kinderzimmer. Erste Knochen des Riesen wurden bereits 1912 in Ägypten entdeckt, nach München transportiert und 1915 vom deutschen Paläontologen Ernst Stromer von Reichenbach sehr ausführlich wissenschaftlich beschrieben. Obwohl Stromer nur Skelettteile eines nicht ganz ausgewachsenen Tieres beschrieb, zeigten seine Untersuchungen bereits, dass es sich um ein ungewöhnlich großes Tier handeln musste, das sich wesentlich von allen anderen bekannten Dinosauriern unterschied. Da die Fossilien durch einen Bombenangriff der Alliierten im Zweiten Weltkriegs verloren gingen und amerikanische sowie asiatische Dinosaurier in Mode waren, geriet der afrikanische Spinosaurus wieder in Vergessenheit.

Erst neue Funde in den 2000er Jahren ließen das Interesse wieder aufflammen. Staunend rekonstruierten Wissenschaftler ein gigantisches Lebewesen mit einer Körperlänge von bis zu 18 Metern. Schon der Schädel ist mit bis zu 1,75 Meter Länge größer als bei allen anderen bisher bekannten Dinosauriern. Mit seinen großen konischen Zähnen, dem langgezogenen, relativ schmalen Kiefer und den hoch gelegenen Nasenlöchern erinnert der Schädel stark an ein Krokodil. Zwischen den Augen hatten die Tiere am Schädeldach einen kleinen Knochenkamm. Seine Vorderarme waren kräftig, dürften aber kaum zum Laufen verwendet worden sein.  Spinosaurus war im Wesentlichen ein Zweibeiner. Dem stehen kurze Hinterbeine und ein langer Rumpf entgegen, die das Gehen auf den Hinterbeinen sicher erschwerten. Dieser Körperbau dürfte auf eine mehrheitlich aquatische Lebensweise zurückzuführen sein.

Supersaurier - Spinosaurus

Der Gattungsname Spinosaurus – das lateinische „Spina“ bedeutet Stachel – verweist auf ein weiteres außergewöhnliches Merkmal: Bis zu 1,65 Meter lange Dornfortsätze der Rückenwirbel bildeten eine Reihe aus Dornen, die im Nacken begann und am Schwanzanfang endete. Schon Stromer war von dieser Struktur fasziniert und diskutierte bereits die Möglichkeit, dass es sich um Muskelansätze eines Höckers gehandelt haben könnte. Was im ersten Moment bizarr klingt, ist bei den Säugetieren durchaus mit Gegenbeispielen in Form der langen Dornfortsätze bei Bison, Wisent, Nashorn und Elefant belegt. Sie befinden sich aber immer im Halsbereich und dienten dazu, die Nackenmuskulatur zu unterstützen. Diese Funktion konnten die Dornen von Spinosaurus aufgrund ihrer Position offensichtlich nicht übernehmen. Daher verwarf schon Stromer diese Theorie. Einige Wissenschaftler spekulieren auch, dass die Dornen einen Buckel aus Fettgewebe gestützt haben könnten – ähnlich wie bei einem Kamel. Hier fehlt aber ein modernes Analogon, da gerade Kamele keine verlängerten Wirbelfortsätze unter dem Höcker entwickeln. Viel wahrscheinlicher ist, dass die Dornen mit Haut bespannt waren und ein Segel bildeten. Die Funktion des Segels ist – wie sollte es auch anders sein – bei Fachleuten umstritten. Recht logisch scheint die Idee, dass Spinosaurus das Segel zur Wärmeregulierung nutzte. Halb im Wasser liegend wäre das der Sonne zugewandte Segel bestens zur Wärmeaufnahme geeignet gewesen. Bei Überhitzung hätte verstärkte Blutzirkulation in der Segelmembran für Kühlung gesorgt. Zusätzlich hätte das Segel durch Muster und Farben als Signal für Artgenossen dienen können. Dass das Segel dazu diente, um auf Feinde noch größer und abschreckend zu wirken, wie einige Paläontologen vermuten, ist weniger überzeugend, wenn man bedenkt, dass Spinosaurus ohnehin selbst der größte und gefährlichste Zeitgenosse in seinem Lebensraum war.

Super Saurier - Spinosaurus

Fossilien von Spinosaurus werden besonders in Ägypten und Marokko gefunden. In der späten Kreidezeit war diese Region eine ausgedehnte Küstenlandschaft mit Gezeitenkanälen, Mangrovenwäldern und üppiger Vegetation.  Hier lebten die Tiere wahrscheinlich ähnlich wie Krokodile zum Teil in Wasser und zum Teil an Land. Der Kiefer des Spinosaurus entspricht dem eines Fischfressers, was auch Fischschuppen im Mageninhalt belegen. Auch geochemische Untersuchungen am Zahnschmelz zeigten, dass Fische ein Hauptbestandteil des Speiseplans waren. Eine weitere Theorie ist, dass Spinosaurus sein Segel und seinen langen flexiblen Schwanz dazu genutzt haben könnte, um Fischschwärme im Wasser zusammen zu treiben. Eine ähnliche Jagdstrategie zeigen auch Fächerfische und Drescherhaie. Um dabei möglichst effektiv zu sein, müssten die Jäger aber in Gruppen kooperiert haben. Ob sich diese Interpretation durchsetzen wird, bleibt abzuwarten. Wie Krokodile hat Spinosaurus sicherlich auch größere Wirbeltiere erlegt, die ihm zu nahe kamen. Sogar Flugsaurier mussten sich in Acht nehmen, wie der Fund eines Zahns zeigt, der noch immer in einem Pterosaurier-Knochen steckt.

Jedenfalls hat Spinosaurus dem Tyrannosaurus in Filmen wie Jurassic Park III und Ice Age 3 den ersten Platz als populärster Bösewicht abgerungen. 

 

Steckbrief von Spinosaurus aegyptiacus

Systematik: Theropoda, Spinosauridae

Länge: 18 Meter

Gewicht: 9 Tonnen

Ernährung: Fleischfresser

Alter: frühe und späte Kreidezeit, 112-94 Millionen Jahre

Fundort: Nordafrika

Wussten Sie, dass… Spinosaurus nicht der einzige Saurier mit Segel war?

So ungewöhnlich das Segel des Spinosaurus auch scheint, einzigartig war es nicht. Schon vor 300 Millionen Jahren hatten frühe Reptilien wie der pflanzenfressende Edaphosaurus lange Rückenstacheln, auf denen ein Hautsegel aufgespannt war. Seine Dornfortsätze waren zusätzlich noch mit Querstreben verstärkt. Auch sein naher Verwandter, der Fleischfresser Dimetrodon, besaß schon vor 290 Millionen Jahren ein hohes Rückensegel. Viele Millionen Jahre später, während der frühen Kreidezeit, trug der 10 Meter lange Sauropode Amargasaurus einen seltsamen Halsschmuck aus einer Reihe gegabelter Dornfortsätze der Halswirbel. Ob die Knochenstrahlen des südamerikanischen Riesen ebenfalls mit einem Hautsegel überspannt waren, ist aber unklar. Sogar zeitgleich mit Spinosaurus lebte in Nordafrika ein anderer Dino, der völlig unabhängig ein Rückensegel entwickelt hatte: der mit dem Iguanodon verwandte, rund 8 Meter lange Pflanzenfresser Ouranosaurus. In allen Fällen vermuten die Wissenschaftler, dass die Segel zur Wärmeregulierung, zur Tarnung oder als Erkennungssignal für Artgenossen dienten.

Doz. Dr. Mathias Harzhauser

Doz. Dr. Mathias Harzhauser ist Direktor der Geologisch-Paläontologischen Abteilung am Naturhistorischen Museum in Wien.

Seine Forschungsschwerpunkte sind die Rekonstruktion fossiler Ökosysteme und die Paläogeographie Eurasiens in der Erdneuzeit.

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